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"Innere Notwendigkeit" galt Wassily Kandinsky
als maßgebendes Kriterium, das er für seine um 1912 in
die absolute Abstraktion führenden Bilder als geistiges Korrektiv
geltend machte. In den nachfolgenden Jahrzehnten durchlief die Kunst
mehrere Phasen und Formen der Gegenstandslosigkeit wie der Abstraktion.
Wie schon während der ersten Periode fügten sich die gegenstandslosen
Kunstformen in die zeitgleich existierenden verschiedenen Stilformen
ein, ohne jedoch jemals eine alles bestimmende Dominanz zu erlangen.
Angesichts der inzwischen vollzogenen Aufhebung des Normativen darf
es nicht verwundern, wenn Karl Heinz Droste mit seinen abstrahierenden
fotografischen Bildern nicht in den Kanon der gegenwärtig favorisierten
mega-naturalistischen Bilder vom Stil der Bechers und ihrer Schüler
paßt und auch nicht passen will.
Seine Bilder bestätigen einmal mehr das Interferieren des in
der Kunst- und Künstlergeschichte existierenden Zeit- und Personalstils:
Während sich beim Zeitstil die Gehalte vornehmlich aus den
zeitspezifischen Eigenheiten speisen und diese die individuellen
Handschriften formal überlagern, nimmt der Personalstil zwar
Spurenelemente des Zeitspezifischen auf, lebt ansonsten aber primär
von der Individualität des Schaffenden. Kraft der ihm inhärenten
individuellen Eigenheiten tendiert er zur Zeitlosigkeit. Von einem
solchen Personalstil muß bei Karl Heinz Droste gesprochen
werden. Denn obwohl dieser während seiner nun gut vier Jahrzehnte
andauernden künstlerischen Tätigkeit nach- und ebenso
nebeneinander mit immer neuen Techniken, Materialien und Ausdrucksformen
arbeitete (die Palette seiner Ausdrucksmittel umfaßt die skulpturalen
Reliefs, mit denen er auffallend schnell reüssierte, die Zeichnungen,
Farbradierungen, Pastellkreide- und Graphitstiftzeichnungen, Aquarelle
und Fotografien), zeichnet sich sein umfangreiches Werk durch medienübergreifende
Auffälligkeiten aus, die klar als seine Handschrift zu erkennen
und mithin zu benennen sind.
Bereits die Rezensenten seiner frühen Werke hoben Karl Heinz
Drostes künstlerische Eigenständigkeit hervor, wenn sie
keine Einflüsse seines Lehrmeisters Bernhard Heiliger in seinen
Reliefs zu entdecken vermochten, oder wenn es zu seinen Papierarbeiten
hieß, damit habe er "Bastionen geschaffen, die wie Festungen
eines Individuums gegenüber dem Äußeren erscheinen
- Zeichen der Abwehr und des Rückzugs auf die eigene Substanz
-, jedoch keine Resignation, sondern ein Aufblühen der eigenen
Kraft". Zur Kontinuität der künstlerischen Arbeiten
wie der in der Haltung Karl Heinz Drostes selbst gehört die
1981 getroffene Feststellung, die Resultate seiner grafischen Mittel
wirkten "wie ein trotziges Bekenntnis zum Unzeitgemäßen",
hier habe "sich ein Künstler seine Individualität
bewahrt". Davon kann uneingeschränkt bis heute gesprochen
werden, auch mit Blick auf seine Fotografien, die nicht minder eigenwillig,
aber ganz seinem Naturell gemäß angelegt sind. Das meint
allerdings nicht, dass diese heute ob ihres inneren Zusammenhalts
und ihres Gehalts leichter in Worte zu fassen sind als seinerzeit
die bildnerischen Abstraktionen Kandinskys und seiner künstlerischen
Weggefährten.
Ungeachtet des jeweiligen Abstraktionsgrades lassen sich in Karl
Heinz Drostes fotografischen Bildern die vereinzelt wie in Gruppen
auftretenden Baumstämme, aber auch die Baumkronen auf den ersten
Blick als solche identifizieren. Die im Kleinbildformat aufgenommenen
und im Fachlabor auf Ektachrome- oder Cibachromepapier vergrößerten
Fotografien treten dem Betrachter in Formatgrößen gegenüber,
wie sie in seinem Werk sonst nur in den Pastellkreidezeichnungen
anzutreffen sind. Aufgenommen wurden die Bilder in den Wäldern
des Harz, die Karl Heinz Droste aus seinen Kinder- und Jugendjahren
vertraut sind, sowie im Berliner Grunewald. Doch muß der Betrachter
nicht wissen, wo jedes einzelne Bild aufgenommen wurde. Deutlicher
als der lokale Bezug tritt der zeitliche in dem Sinn hervor, als
die Bilder bewußt zu solchen Jahreszeiten fotografiert wurden,
während der naturgemäß wenig Belaubung anzutreffen
ist. Damit wird ersichtlich, dass es Karl Heinz Droste um die klaren
Linien und Formen der Stämme und Äste als Bildvorwurf
zu tun ist. Was die Motivwahl betrifft, so fühlt er sich nach
eigenem Bekunden vom Wald magisch angezogen. Dort vor allem fotografiert
er im Verlauf der zumeist mehrstündigen Wanderungen, die er
bewußt allein unternimmt, das motivische Rohmaterial. Die
eigentliche Bildgestaltung erfolgt dann später zuhause im Atelier,
wenn er aus der größeren Zahl an Motive eine strenge
Auswahl trifft und die ihm geeignet erscheinenden in Sandwich-Manier
übereinanderlegt. Dieses, dem Betrachter seiner Bilder nicht
unbedingt auf den ersten Blick bewußt werdende Übereinanderlegen
von zwei Motiven verleiht seinen fotografischen Bilder die auffällige
wie ungewöhnliche Dichte, formal wie auch inhaltlich. Das Organische,
wie es sich in bestimmten Baumtypen, speziellen Vegetationen oder
ähnlichem manifestiert, bleibt dabei erhalten, da Karl Heinz
Droste nur solche Motive zur Deckung bringt, die von ihm an ein
und demselben Ort aufgenommen worden sind. Auffällig die wiederkehrenden
Bilder mit klar akzentuierten Baumstämmen, die in der Senkrechten,
als Segmente ohne Boden und krönendes Geäst, die Bilder
durchziehen und die sich, vom Licht hervorgehoben, von einem mehr
oder weniger dunklen und differenzierten Hintergrund absetzen. Bei
einigen dieser Bilder bleibt der Hintergrund dunkel verschlossen,
bei anderen bricht das Dunkel in Streifen auf, als ob sich der Wald
im Hintergrund öffnen würde. Angesichts der solchermaßen
formal enggefaßten fotografischen Zugriffe auf die Wälder,
ist bei den Bildern eher von Natur im Allgemeinen als von Landschaften
zu sprechen. Menschen tauchen - wie überhaupt in seinem Werk
- weder unmittelbar noch mittelbar auf, denn die Naturausschnitte
lassen wenig von der Kultivierung durch Menschenhand erkennen. Sie
erscheinen naturwüchsig.
Lebensgeschichtlich trat Karl Heinz Droste erst relativ spät
mit seinen fotografischen Bildern an die Öffentlichkeit, obwohl
er schon seit vielen Jahren mit der Kamera gearbeitet und sich ebenso
lange mit der Fotografie und ihren Bildleistungen beschäftigt
hat. Neben den alten Kulturen mit ihren spezifischen Leistungen
fesselte ihn gerade die Fotografie. Insbesondere die amerikanischen
Fotografen hatten es ihm angetan: Carleton E. Watkins mit seinen
Landschaftstotalen aus dem 19. und Ansel Adams mit seinen Landschaften
aus dem 20. Jahrhundert und dann Edward Westen. Aber auch die frühen
Reisefotografen begeisterten ihn. Von den noch lebenden Fotografen
faszinieren ihn Thomas Joshua Cooper mit seinen See- und Landschaftsstücken.
Infolge dieser intensiven Beschäftigung mit fotografischen
Bildern teilte er die ansonsten noch in Künstler- und Galeriekreisen
anzutreffenden Ressentiments zu keinem Zeitpunkt und hatte deshalb
auch keine Bedenken, sich praktisch mit dem technisch gegründeten
Bildmedium Fotografie zu befassen. Dass er damit dann an die Öffentlichkeit
ging, war im Wesentlichen den veränderten Außenbedingungen
geschuldet, insbesondere der auch auf dem Kunstmarkt gewachsenen
Akzeptanz fotografischer Arbeiten. Sein Umgang mit dem Medium Fotografie
ist insofern ein künstlerischer, als er nicht über die
unmittelbare Ausbildung als Fotograf zur Kamera griff, sondern wie
eben solche Künstler - und das läßt sich als Phänomen
für den gesamten Zeitraum der Fotogeschichte beobachten -,
die aufgrund ihres multimedialen Ansatzes neben anderen Ausdrucksmitteln
auch mit der Fotografie arbeiten.
Unübersehbar nehmen die fotografischen Waldstücke die
wichtigsten bildnerischen Momente der vorausgegangenen wie parallel
entstandenen Arbeiten auf. Ja, sie synthetisieren diese sogar in
gewissem Sinn und bestätigen einmal mehr die Kontinuität
des gestalterischen Zusammenhalts in Karl Heinz Drostes Gesamtwerk.
Bereits in den frühen Werken sahen die Rezensenten die medienübergreifenden
Konstanten seiner Gestaltung. "Die kleinen Federzeichnungen
Drostes zeigen", so hieß es 1961, "wie es ihm um
die Ausbreitung heller und dunkler Flächen und Schraffuren
geht, die er dann deutlich erst im Licht und Schatten der Reliefplatten
hervortreten läßt." Ein anderer Rezensent beobachtete,
dass seine Reliefs "'seriell' komponiert und stark rhythmisch
betont" seien. Mitte der sechziger Jahre, als Karl Heinz Droste
für sich die Radierung als neues bildnerisches Medium erschloß,
kam Eberhard Roters, der spätere Gründungsdirektor der
Berlinischen Galerie, analytisch scharf zu dem Ergebnis: "radierung
bedeutet für ihn die untersuchung von problemen, die er schon
im relief studiert hat, auf ein anderes medium übertragen.
dadurch ist er gezwungen, die auseinandersetzung mit raum und licht
in einer ungewohnten form zu konzipieren, die insofern über
die in der reihe seiner reliefs gefundenen einsichten hinaus geht
und eine neue stufe erreicht, als sie eine weitere dimension erschließt,
nämlich die projektion einer scheinbar unbegrenzt wirkenden
und nicht meßbaren raumtiefe im ausschnitt der fläche."
Damit wurden, rückblickend läßt sich das konstatieren,
genau die Momente hervorgehoben, die dann nachfolgend und bis in
das fotografische Werk hinein von Karl Heinz Droste kultiviert wurden.
Aus heutiger Sicht, also mit dem Wissen um sein langjähriges
Fotografieren, kann das Fotografische - gewissermaßen als
Evidenz seines Werkes - sogar bereits an seinen frühen Reliefs
festgemacht werden. Schuf er doch im ersten, dem für die Formgebung
wichtigsten Arbeitsschritt Hohlformen, die dann beim zweiten Arbeitsgang,
dem Ausgießen, zu den definitiven Reliefskulpturen führten.
Anders formuliert, bereits seine frühen plastischen Arbeiten
trugen aufgrund des praktizierten "Negativ-Positiv-Verfahrens"
fotografische Züge. Dieses Wechseln vom Negativ zum Positiv
findet sich in seinen fotografischen Bildern insofern wieder, als
diese sowohl in ihrer negativen als auch in ihrer positiven Form
gelesen werden können, je nach dem, wie der Betrachter seine
Sichtweise "einstellt". Doch auch sonst werden in seinen
fotografischen Arbeiten solche gestalterische Merkmale erkennbar,
die seine unterschiedlichen Arbeiten kontinuierlich über die
Jahrzehnte charakterisiert haben und die nachdrücklich für
eine in sich stimmige Disposition im künstlerischen Ausdruck
sprechen.
Für die Räumlichkeit seiner fotografischen Bilder, die
bühnenhaft wirkt, wenn er Bäume wie gestaffelte Bühnenprospekte
in hintereinander liegenden Schichten anordnet, läßt
sich als vorausgegangene Prägung mit gewisser Plausibilität
seine Ausbildung als Bühnenbildner in Leipzig anführen.
Damit die Bäume deutlicher fragmentiert und das gesamte Sehfeld
klarer in hintereinander liegende Schichten aufgeteilt erscheint,
arbeitet Karl Heinz Droste mit einem Teleobjektiv. Die so erzielten
Bilder mit einzeln betonten Baumstämmen, die als Fragmente
aufrecht im Format stehen, nehmen hinsichtlich der Vereinzelung
wie der Oberflächenstrukturen Charakteristika seiner frühen
Stelen auf. Das von ihm perfektionierte Sandwich-Verfahren, bei
dem er zwei Dias übereinanderlegt, so dass die beiden Motive
interferieren und so in einem Bild verschmelzen, läßt
sich mit seinen Farbradierungen vergleichen, da er diese ihrerseits
mit zwei Platten druckte. Des weiteren zeigen sich beim Sandwich-Verfahren
Analogien zu den Pastellkreidezeichnungen, bei denen er mehrere
Strich- und Farbschichten übereinander legt, und schließlich
sind noch seine Aquarelle anzuführen, deren Farben er nacheinander
mit zeitlichem Abstand aufträgt. Zugleich finden die farbreduzierten
Aquarelle in den eingeschränkten Farbpaletten der fotografischen
Waldstücke ihr Pendant. Denn Karl Heinz Droste legt bei der
Farbauswahl seiner Fotografien größten Wert auf in sich
stimmige und das heißt in der Farbkombination wie der allgemeinen
Intensität gedämpfte Farben. Seien sie nun im Grundton
wärmer oder kälter.
Was den schon in seinen frühen Reliefskulpturen angelegten
und bis zu den Fotografien durchgehaltenen dunklen "Farbauftrag"
betrifft, so findet der in den Pastellkreidezeichnungen der letzten
Jahre seine deutlichste Entsprechung. In der Abfolge füllt
Karl Heinz Droste das Zeichenpapier zunächst mit helleren Farben
in ungezählten senkrecht gelegten Strichlagen, wobei sich aufgrund
der Überzeichnungen nach und nach der farbliche Gesamteindruck
zum Dunklen wandelt, bevor dann gegen Ende der Arbeit noch dezidiert
kräftige schwarze Pastellen gesetzt werden. Durchbrochen wird
dieses Dunkel in den Pastellzeichnungen mit Aufhellungen. Dazu verwendet
Karl Heinz Droste ein Radiergummi mit demselben Arm- und Handgestus,
mit dem er zuvor die Pastellkreidestifte führte, und greift
so in versetzten Strichlagen in die Farbflächen ein. Die dabei
entstehenden hellen Streifen wirken wie die Durchbrüche oder
Durchsichten in den fotografierten Waldstücken, in denen der
Baumbewuchs lichtdurchlässig ist.
Während Karl Heinz Drostes Aquarelle der letzten Jahre als
gegenstandslose Farbarbeiten verstanden werden sollten, die gewisse
Parallelen zu den nahezu monochromen Farbbildern eines Mark Rothko
mit ihrem betont meditativen Grundzug zeigen (Rothkos Originale
lernte er in seinen frühen Jahren in Vendig und auf der documenta
kennen), so changieren seine Fotoarbeiten zwischen minimierter Abbildhaftigkeit
und Abstraktion. Am ehesten lassen sich die Abstraktionen in seinen
Fotoarbeiten mit der Musik vergleichen. Eine Verbindung, die schon
vielfach im Kontext abstrakter Kunst bemüht worden ist, die
aber zum Verständnis des Werkes von Karl Heinz Droste deshalb
nicht obsolet ist, als dessen ganze Leidenschaft neben dem bildnerischen
Arbeiten dem Musikhören gilt, mehr als dem Lesen oder gar der
Kunsttheorie. Wie er allein durch die Wälder wandert, so rezipiert
er abseits vom öffentlichen Konzertbetrieb die Musik für
sich allein zuhause. Er braucht nicht das Gesellschaftliche des
Konzertsaals, die Menge der Mithörenden, die anschließenden
Gespräche, er zieht es vor, sich einzig auf die Musik zu konzentrieren
und deren immanente Kraft herauszuhören, als dem Faszinosum,
das er selbst in seinen Bildern anstrebt. In früheren Jahren
erlaubte ihm seine Platten- und jetzt seine CD-Sammlung zu jeder
Zeit die freie Wahl, das zu hören, von dem er sich gerade die
nachhaltigste Emotionalität versprach oder was er, neugierig
auf Unbekanntes, hören wollte. Die Bandbreite seiner Musikinteressen
reicht von den Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart,
wobei er der kammermusikalischen Musik nicht von ungefähr über
all die Jahre am engsten verbunden war.
Während die gesprochene ebenso wie die geschriebene Sprache
mit Begrifflichkeiten operiert, die auf Dinge, Sachen und Zusammenhänge
verweist, basiert die Musik, sofern ihr nicht das Wort beigegeben
wird, gerade auf der Abstraktion. Sie wird zwar von bestimmten Gesetzmäßigkeiten
konstituiert, die wiederum ihre Orts- wie Zeitgebundenheit erkennen
lassen, sie faßt aber keine Begrifflichkeiten und sie bildet
auch nicht ab, sofern sie nicht zur Ausnahme der Programmusik zählt.
Wie von bestimmter Musik eine Kraft ausgeht, die selbst über
Generationen wertgeschätzt wird, eben weil die Komposition
eine gewisse, schwer in Worte zu fassende Qualität aufweist,
sucht Karl Heinz Droste all seinen bildnerischen und mithin ebenso
seinen fotografischen Arbeiten eine gleichermaßen wirkende,
zeitlose Kraft zu implantieren.
"Musik kann", wie es der auch von Karl Heinz Droste geschätzte
Pianist Alfred Brendel formulierte, "vieles sein. Sie kann
in eine Sphäre transportieren, die Zeit und Wirklichkeit hinter
sich läßt. Dies ist eine der großartigsten Seiten
der Musik. Aber nicht die einzige." Eine solche Ablösung
von Zeit und Wirklichkeit kennzeichnet auch die fotografischen Arbeiten
von Karl Heinz Droste. Genauso wie die Partitur einer Komposition
die in Worte zu fassende Analyse erlaubt, ohne dass damit schon
das eigentliche Geheimnis und die Kraft einer Musik benannt wird,
so öffnen sich auch einige Merkmal in seinen fotografischen
Arbeiten einer formalen Beschreibung. Zu handeln hat diese von Rhythmus,
Klang, Farbe, Dichte, Raum und Naturnähe.
Wie schon betont, geben die Waldstücke infolge mangelnder
Signifikanz keinen Aufschluß über ihren lokalen Ursprung
und sind deshalb generalisierend als Naturbilder anzusprechen. Als
solche verkörpern sie Vegetation wie Wachstum, gemeinhin Leben.
Diese Verallgemeinerung geht formal mit dem Verzicht auf die der
Fotografie nachgesagten Abbildgenauigkeit einher. Die Formen seiner
fotografischen Bilder lösen sich - nachdrücklich durch
die Vergrößerungen verstärkt - auf und nehmen bei
nahsichtiger Betrachtung infolge der farblich changierenden Kornstrukturen
pointilistische Züge an. Was die Farben betrifft, lassen sich
seine Bilder hinsichtlich der wärmeren und im anderen Fall
kälteren Töne in Anlehnung an die Musik als emotionale
Resonanzböden in Dur und Moll begreifen. Die Abstraktionen,
speziell wenn diese in die Nähe der Gegenstandslosigkeit reichen,
erzeugen über ihren emotionalen Gehalt hinaus seelische "Vibrationen",
die formalästhetisch in Kandinskys abstrakten Farbbildern ihre
historischen Vorläufer haben, und wirken folglich wie diese
im Sinn der Synästhesie als klingende Bilder. Die Betonung
des Dunklen verweist unmittelbar auf das naturgemäße
wie geheimnisvolle Dunkel im Wald. Weiter gespannt verbindet sich
mit diesem Dunkel jedoch eine gewisse Mystik mit ikonografischer
Tradition in der Malerei, der Literatur wie in der Musik. Hier läßt
sich noch am ehesten von deutscher Mentalität als lokalem Spezifikum
sprechen.
Das "gute abstrakte Bild" strahlt, wie es Arnold Gehlen
formulierte, "in die wortunfähigen Schichten, dort setzt
es die Unterscheidungskonflikte, dort stachelt es die Reflexionen
an (die bewußtseinsfähige Folge der inneren Reibungen)
und dort kann es, im gelungen Falle, bis an die Grenze der Wortfindung
durchschlagen" und das Bewußtsein erweitern. Für
Karl Heinz Drostes fotografische Bilder heißt das, dass die
von ihm vorgegebenen Räume, Volumina, Licht- und Farbgestaltungen
und die Rhythmen einen aus dem Naturerleben erwachsenen Klang ergeben,
in dem er - und das ist das, was Kunst jenseits zeitbedingter Moden
immer ausmacht - als agierender Künstler seinen ihm eigenen
Punkt gefunden hat, der für sich genommen von einer originären
inneren Kraft lebt. |